Tag des offenen Denkmals 2020

Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.

Auch 2020 nimmt das UAA am Tag des offenen Denkmals teil, in diesem Jahr allerdings ausschließlich digital. Unter dem Motto "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken" wenden wir den Blick in die Vergangenheit und zeigen Ihnen hier sowie auf unseren Social Media-Kanälen die vielen Verwandlungen und Umnutzungen, die das Haus Ungers in den vergangenen sechs Jahrzehnten durchlaufen hat. Auf der Seite Instandsetzung finden Sie außerdem Informationen zum aktuellen Stand der Renovierungsmaßnahmen, die in diesem Herbst beginnen.

Die folgenden Bildpaare erzählen die Geschichte(n) dieses Baudenkmals, das der junge Architekt O.M. Ungers 1958/59 als Wohn- und Bürohaus für sich und seine Familie baut. Ein Leben lang bleibt dieses Haus für Ungers ein "Laboratorium", in dem er seine Vorstellungen von Architektur entwickeln, umsetzen und erproben kann. Die massivsten Veränderungen erfährt das Gebäude, als er 1989/90 – er ist mittlerweile ein erfolgreicher und international bekannter Architekt – einen mit Basalt verkleideten kubischen Bau für seine umfangreiche Bibliothek im ehemaligen Garten des Hauses errichtet.

Nach dem Tod von O.M. Ungers und seiner Frau Liselotte durchläuft das Haus erneut einen Transformationsprozess: Es wird Sitz der Stiftung Ungers Archiv für Architekturwissenschaft. Das Gebäude erfährt heute eine nachhaltige Nutzung, indem Wissenschaftler*innen der Zugang zu Ungers' Nachlass sowie zur Bibliothek ermöglicht wird. Im Rahmen von Führungen erhalten Besucher*innen Einblicke in das bauliche Ensemble.

Schauen Sie mit uns anhand der folgenden Gegenüberstellungen zurück in die Geschichte dieses berühmten Wohnhauses.

Haus Belvederestraße 60 von O.M. Ungers
Eine Architekturikone der Moderne und ihre Transformationen

1989/90 fand durch den Bau des Bibliothekskubus im ehemaligen Garten die markanteste Veränderung am Haus in der Belvederestraße 60 statt. Der Kubus setzt sich sowohl durch die Materialität des Eifler Basalt als auch durch seine geometrische Strenge von der Plastizität des backsteinsichtigen Altbaus ab. Somit stehen sich hier zwei Entwicklungsphasen Ungers' sichtbar gegenüber. Die ehemalige Einfriedungsmauer des Gartens wurde zur Außenmauer des Bibliotheksumgangs. Im hinteren Bereich des Grundstücks zur Quadrather Straße hin wurde die Baugruppe um eine "Garage" ergänzt.
Der Altbau wurde 1992, der Neubau 2012 in die Denkmalliste aufgenommen.

Anstelle des früheren Gartens entstand im Inneren des Grundstücks eine Art Atrium oder Peristyl. Alt- und Neubau werden durch einen glasbedachten Umgang zu einem Gebäudeensemble verbunden, wobei die Integrität der einzelnen Gebäude erhalten bleibt.

1959 glich die zur Wohnung der Familie Ungers gehörige Dachterrasse einer Gartenlandschaft mit Begrünung, Wasserbecken und Sonnendeck. Später wurde der Eckzugang durch Vorziehen der Fensterfront geschlossen und der Boden zu einer einheitlichen Fläche umgestaltet, sodass eine großzügige Dachterrasse entstand.

Auch im Innern hat das Haus immer wieder Wandlungen in Gestalt und Nutzung erfahren. 1959 zeigten die Wände von Wohn- und Esszimmer noch den unverputzten Klinker, Mauervorsprünge dienten als Sitzgelegenheiten. Im Zuge des Umbaus von 1989 entschied Ungers, den Klinker zu verputzen. Heute werden in den ehemaligen Wohnräumen des 1. OG Möbel und Architekturmodelle nach Ungers' Entwürfen gezeigt.

Ungers' Architekturbüro befand sich 1959 im Erdgeschoss im Eckraum Belvederestraße/Quadrather Straße. Vor den großzügigen Atelierfenstern zur Quadrather Straße hin öffnete sich ein umfriedeter kleiner Garten. Dieser wurde 1989/90 mit einem Glasdach geschlossen, das zusätzliche Arbeitsfläche schuf. Der Atelierraum ist heute an ein Architekturbüro vermietet.

Der heutige Veranstaltungsraum hat im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Nutzungen erfahren. Der rechts vom Eingang an der Belvederestraße befindliche Hausteil enthielt ursprünglich eine Einliegerwohnung mit Wohn- und Schlafzimmer, Küche und Bad sowie einem separaten Garten. In den 1980er Jahren dehnte sich das Architekturbüro auch in diesen Bereich des Hauses aus. Ein Teil des ehemaligen Gartens der Einliegerwohnung wurde integriert, wodurch zusätzliche Arbeitsfläche für das Architekturbüro gewonnen werden konnte. Seit 2011 wird der großzügige Raum von der Stiftung UAA für Ausstellungen und Vortragsveranstaltungen genutzt.

Das UAA wird
gefördert von

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen