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Haus Belvederestraße 60

Stiftung

Ab 1958 errichtete der damals 32-jährige Architekt Oswald Mathias Ungers ein Wohnhaus für sich und seine Familie an der Belvederestraße im westlichen Kölner Stadtteil Müngersdorf. Das Haus wurde auch als Architekturbüro genutzt und beherbergte zwei Einliegerwohnungen. Schon kurz nach seiner Fertigstellung erregte der Bau national und international Aufsehen. Das vielpublizierte Bauwerk zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der modernen Architektur nach 1945. Aufgrund der "ehrlichen Behandlung" der verwendeten Materialien Sichtbeton und Klinker wird es als frühes Manifest des Brutalismus gewürdigt.

Ungers' Wohnhaus bildet die Eckbebauung von Belvederestraße und Quadrather Straße. Das Gebäude schloss eine bestehende Zeile von Reihenhäusern ab, deren Baumaterial, Bautiefe, Traufhöhe und Giebel es zwar übernahm, aber in ein völlig eigenständiges und äußerst plastisches Raumgebilde überführte. Nach außen präsentiert sich das Haus als Verschachtelung aus fest konturierten Quadern mit einer zylindrischen Ecklösung. Der Abwechslungsreichtum der äußeren Form spiegelt die Vielfalt im Inneren: Unterschiedliche Deckenhöhen, weite und enge, geschlossene und offene Räume wechseln einander ebenso ab wie eine Vielzahl an Fensterformen und -arten.

Das Haus Belvederestraße 60 war für O.M. Ungers nicht weniger als "ein kleines Universum", "ein Abbild der Idee von Welt" und ein Laboratorium, das ihm die Möglichkeit bot, sein Können und seine kompromisslose Haltung zu erproben: Die Architektur behauptet ihre Autonomie, indem sie ausschließlich ihren eigenen Gesetzen folgt, während sie gleichzeitig den genius loci respektiert. Über einen Zeitraum von rund drei Jahrzehnten unterlag Ungers' Wohnhaus immer wieder räumlichen und funktionalen Umwandlungen. 1989 erweiterte er das Gebäude im ehemaligen Garten um einen Bibliothekskubus, der für seine herausragende Sammlung architektonischer Fachliteratur bestimmt war. In seiner geometrischen Strenge wie in seiner Materialität kontrastiert der mit Basaltlava verkleidete Würfel mit der Architektur des Altbaus. Der Bibliothekskubus stellt gleichsam ein Kondensat aller Themen dar, die Ungers zeitlebens beschäftigt haben, und bildet dennoch im Zusammenspiel mit dem Vorgängerbau ein perfektes Ensemble.

Das Haus Belvederestraße 60 ist heute Sitz der Stiftung Ungers Archiv für Architekturwissenschaft. Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex kann im Rahmen von Führungen besucht werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, Räumlichkeiten für Seminare, Workshops, private Feiern, Firmenveranstaltungen u.ä. zu mieten.

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